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SANA DentalZahnarzt Hubbert, M.Sc.

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Zahnnerv erhalten statt Wurzelbehandlung

Wir erhalten nicht nur Ihre Zähne – sondern, wann immer es möglich ist, auch ihre Nerven. Ist der Zahnnerv entzündet, muss er heute nicht mehr automatisch vollständig entfernt werden: Mit der Pulpotomie entfernen wir nur den entzündeten Teil und erhalten den gesunden Rest lebendig.

Pulpotomie auf einen Blick

  • Nur der entzündete Teil des Nervs wird entfernt
  • Der Zahn bleibt lebendig
  • Die Wurzelkanäle bleiben unberührt
  • Meist in einer einzigen Sitzung
  • In der aktuellen europäischen S3-Leitlinie als Alternative genannt

Zahnnerventzündung (Pulpitis)

Nerv entzündet – muss er wirklich raus?

Im Inneren jedes Zahns liegt der Zahnnerv, die Pulpa: ein lebendiges Gewebe aus Nervenfasern und feinen Blutgefäßen. Erreicht eine tiefe Karies den Nerv, entzündet er sich – oft mit heftigen, pochenden oder lang anhaltenden Schmerzen.

Lange galt dafür eine einfache Regel: Ist der Nerv so stark entzündet, wird er vollständig entfernt, die Wurzelkanäle werden aufbereitet und gefüllt – die klassische Wurzelbehandlung. Der Zahn bleibt zwar erhalten, ist danach aber nicht mehr lebendig.

Heute weiß man: Die Entzündung beginnt meist im oberen Teil des Nervs, in der Zahnkrone. Der Nerv in den Wurzeln ist häufig noch gesund – und kann erhalten werden. Genau hier setzt die Pulpotomie an.

Früher hieß es: Nerv entzündet, Nerv raus. Heute erhalten wir so viel wie möglich.

Vitalerhaltung ist einer der großen Fortschritte der modernen Zahnerhaltung.

Ablauf

So läuft eine Pulpotomie ab

Die Behandlung dauert meist nur eine Sitzung. Wichtig ist eine sorgfältige, keimarme Arbeitsweise – und ein Test, der mitten in der Behandlung zeigt, ob der verbleibende Nerv gesund ist.

1Betäuben und trockenlegen

Nach der örtlichen Betäubung legen wir den Zahn sorgfältig trocken und schützen ihn so vor Speichel und Bakterien.

2Entzündetes Gewebe entfernen

Wir entfernen die Karies und den entzündeten Teil des Nervs – nur einen kleinen Bereich oder den Nerv in der Zahnkrone bis zum Eingang der Wurzelkanäle.

3Der Test: Kommt die Blutung zum Stehen?

Gesundes Nervgewebe hört nach wenigen Minuten auf zu bluten. Gelingt das nicht, führen wir in derselben Sitzung die klassische Wurzelbehandlung durch.

4Biokeramik und dichter Verschluss

Ein biokeramisches Material (Calciumsilikat-Zement wie MTA oder Biodentine) deckt den Nerv ab und regt die Bildung von neuem Hartgewebe an. Danach verschließen wir den Zahn dicht – mit einer Füllung oder einer Krone aus unserem Praxislabor.

Nach etwa sechs und zwölf Monaten kontrollieren wir den Zahn – klinisch und im Röntgenbild.

Vorteile

Warum sich ein lebendiger Zahn lohnt

Ein Zahn mit lebendem Nerv ist mehr als nur ein erhaltener Zahn – er bleibt Teil Ihres Körpers, mit eigener Durchblutung und eigener Abwehr.

Eigene Abwehr

Lebendes Nervgewebe kann auf Reize reagieren und neues Hartgewebe bilden – eine natürliche Schutzbarriere im Zahn.

Weniger Eingriff

Die feinen Wurzelkanäle werden nicht aufbereitet und gefüllt. Die Behandlung bleibt auf die Zahnkrone beschränkt.

Kürzer behandelt

Meist genügt eine Sitzung. In einer Vergleichsstudie dauerte die Pulpotomie im Schnitt deutlich kürzer als eine Wurzelbehandlung.

Ein Weg bleibt offen

Sollte später doch eine Wurzelbehandlung nötig werden, ist sie weiterhin möglich. Mit der Pulpotomie verbauen Sie sich nichts.

Leitliniengerecht

Die Pulpotomie ist kein Experiment, sondern wird in aktuellen europäischen und amerikanischen Fachempfehlungen ausdrücklich genannt.

Moderne Materialien

Biokeramische Zemente sind gut verträglich und dichten den Zahn zuverlässig ab – sie sind die Grundlage der heutigen Vitalerhaltung.

Was die Forschung sagt

Gut untersucht – und ehrlich eingeordnet

Die neue europäische S3-Leitlinie zur Behandlung tiefer Karies (2026), an der auch die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung mitgewirkt hat, nennt die Pulpotomie bei Anzeichen einer irreversiblen Pulpitis eine annehmbare Alternative zur vollständigen Entfernung des Nervs.1

Die amerikanische Fachgesellschaft für Endodontie hält fest, dass die Diagnose einer irreversiblen Pulpitis nicht zwangsläufig bedeutet, dass der gesamte Nerv entfernt werden muss.2

In Studien mit biokeramischen Materialien lagen die Erfolgsraten nach ein bis zwei Jahren meist zwischen etwa 85 und 98 Prozent – in direkten Vergleichsstudien ähnlich wie bei der Wurzelbehandlung, auch über fünf Jahre.2–5 Langzeitdaten über viele Jahre sind noch begrenzt, und die Qualität der Studien wird als niedrig bis mittel eingestuft.

  1. Schwendicke F et al. Deep caries management: EFCD-ESE-ORCA S3-level clinical practice guideline. Clin Oral Investig 2026;30:186. doi.org/10.1007/s00784-025-06727-1
  2. American Association of Endodontists. AAE Position Statement on Vital Pulp Therapy. J Endod 2021;47(9):1340–1344. aae.org
  3. Asgary S et al. Five-year results of vital pulp therapy in permanent molars with irreversible pulpitis: a non-inferiority multicenter randomized clinical trial. Clin Oral Investig 2015;19:335–341. doi.org/10.1007/s00784-014-1244-z
  4. Zhu L et al. Pulpotomy versus root canal treatment in mature molars with irreversible pulpitis: a randomized clinical trial. BMC Oral Health 2024;24:1231. doi.org/10.1186/s12903-024-05011-0
  5. Li W, Yang B, Shi J. Systematic review and meta-analysis of pulpotomy in mature permanent teeth with irreversible pulpitis. PLoS ONE 2024;19:e0305218. doi.org/10.1371/journal.pone.0305218

Ihnen wurde eine Wurzelbehandlung empfohlen?

Lassen Sie prüfen, ob sich Ihr Zahnnerv noch erhalten lässt – am besten zeitnah, denn das geht nur, solange der Nerv lebt.

02151 151 90 71 Online-Termin

Ehrlich gesagt

Nicht jeder Zahn eignet sich

Die Pulpotomie ist eine Chance für viele Zähne – aber nicht für alle. Wir sagen Ihnen offen, was in Ihrem Fall möglich ist.

Der Nerv muss noch leben

Ist der Nerv bereits abgestorben, hat sich eine Schwellung, eine Fistel oder Eiter gebildet, ist die Wurzelbehandlung der richtige Weg.

Entscheidung während der Behandlung

Manchmal zeigt sich erst während der Behandlung, dass der Nerv zu stark entzündet ist. Dann wechseln wir in derselben Sitzung zur Wurzelbehandlung – Sie verlieren keine Zeit.

Kontrolle gehört dazu

Auch nach einer erfolgreichen Pulpotomie kann später eine Wurzelbehandlung nötig werden. Deshalb kontrollieren wir den Zahn regelmäßig.

Vitalerhaltung

Je früher, desto schonender

Die Pulpotomie ist eine von mehreren Stufen, mit denen wir den Zahnnerv erhalten. Je früher wir eingreifen, desto weniger muss entfernt werden.

1Tiefe Karies schonend entfernen

Wir entfernen die Karies so, dass der Nerv möglichst gar nicht freigelegt wird (selektive Kariesentfernung).

2Nerv direkt abdecken

Liegt der Nerv an einer kleinen Stelle frei, decken wir ihn mit Biokeramik ab (direkte Überkappung).

3Pulpotomie

Ist der Nerv bereits entzündet, entfernen wir nur den entzündeten Teil und erhalten den gesunden Rest.

Kosten

Was kostet eine Pulpotomie?

Für gesetzlich Versicherte ist die Pulpotomie bei bleibenden Zähnen Erwachsener keine Kassenleistung. Sie wird privat nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) berechnet. Die Kosten nennen wir Ihnen vor der Behandlung – Sie entscheiden in Ruhe, ob Sie diesen Weg gehen möchten.

Private Krankenversicherungen und Zusatzversicherungen erstatten die Behandlung je nach Tarif.

Häufige Fragen zur Pulpotomie

Was ist eine Pulpotomie?

Bei einer Pulpotomie entfernen wir nur den entzündeten Teil des Zahnnervs (der Pulpa) – entweder einen kleinen Bereich (partielle Pulpotomie) oder den Nerv in der Zahnkrone bis zum Eingang der Wurzelkanäle (vollständige Pulpotomie). Der gesunde Nerv in den Wurzeln bleibt erhalten und wird mit einem biokeramischen Material abgedeckt.

Kommt eine Pulpotomie auch bei starken Zahnschmerzen infrage?

Ja, häufig. Auch bei Anzeichen einer sogenannten irreversiblen Pulpitis – also einer Nervenentzündung mit deutlichen Schmerzen – kann eine Pulpotomie eine Alternative zur Wurzelbehandlung sein, solange der Nerv noch lebt. Ob das bei Ihnen der Fall ist, klären wir in der Untersuchung.

Tut die Behandlung weh?

Die Behandlung erfolgt unter örtlicher Betäubung. In Studien waren die Beschwerden in den Tagen danach vergleichbar mit denen nach einer Wurzelbehandlung.

Wie lange hält ein Zahn nach einer Pulpotomie?

Eine Garantie gibt es in der Medizin nicht. Studien zeigen über mehrere Jahre gute Ergebnisse, Langzeitdaten sind aber noch begrenzt. Entscheidend sind ein dichter Verschluss des Zahns und regelmäßige Kontrollen.

Was passiert, wenn die Pulpotomie nicht gelingt?

Zeigt sich während der Behandlung, dass der Nerv zu stark entzündet ist, führen wir in derselben Sitzung die klassische Wurzelbehandlung durch. Auch später bleibt eine Wurzelbehandlung möglich, falls sie nötig werden sollte.

Mein Nerv wurde bereits entfernt – geht das noch?

Leider nein. Die Pulpotomie setzt voraus, dass noch lebendes Nervgewebe vorhanden ist. Wurde der Nerv bereits entfernt oder ist er abgestorben, ist die Wurzelbehandlung der richtige Weg.

Zahlt die Krankenkasse die Pulpotomie?

Bei bleibenden Zähnen Erwachsener ist die Pulpotomie keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse, sondern wird privat nach der Gebührenordnung für Zahnärzte berechnet. Wir nennen Ihnen die Kosten vorab, und Sie entscheiden in Ruhe. Private Versicherungen erstatten je nach Tarif.

Mir wurde eine Wurzelbehandlung empfohlen. Kann ich eine Zweitmeinung bekommen?

Gern – aber bitte zeitnah: Eine Pulpotomie ist nur möglich, solange der Nerv noch lebt. Rufen Sie uns an, bei Schmerzen bekommen Sie kurzfristig einen Termin.

Zahnschmerzen oder Fragen?

Schmerzpatienten kommen bei uns immer dran. Rufen Sie uns an – wir prüfen, ob sich Ihr Zahnnerv erhalten lässt.